Liselotte Welskopf-Henrich
Werke
Die Söhne der Großen Bärin (1951) - Der Steinknabe (1953) - Der Bergführer (1954) - Jan und Jutta (1954) - Drei Wassertropfen (1954) - Hans und Anna (1954) - Zwei Freunde (1956) - Frau Lustigkeit und ihre fünf Schelme (1958) -
Die Söhne der Großen Bärin, Trilogie 1962/63: Harka, der Sohn des Häuptlings; Top und Harry; Die Söhne der Großen Bärin; 6-bändige Ausgabe 1962/63: Harka; Der Weg in die Verbannung; Die Höhle in den Schwarzen Bergen; Heimkehr zu den Dakota; Der junge Häuptling; Über den Missouri
Das Blut des Adlers, Roman-Pentalogie 1966-1980: Nacht über der Prärie; Licht über weißen Felsen; Stein mit Hörnern; Der siebenstufige Berg; Das helle Gesicht
- Gesammelte Werke in Einzelausgaben (1975-80)

Liselotte Welskopf-Henrich. Foto entnommen dem Schutzumschlag "Zwei Freunde", Mitteldeutscher Verlag Halle 1976  1964

Die Söhne der Großen Bärin
Roman (in einem Band). Erstausgabe: Altberliner Verlag Lucie Groszer Berlin; 1. Auflage 1951: 1.-15. Tsd.; 520 Seiten, 21x15 cm, Einband & Schutzumschlag: Kurt Riedel, Vorsatzgestaltung: Herbert Prüget, Gesamtherstellung: VEB Leipziger Druckhaus

Inhaltliche Gliederung:
Teil 1 - Zwei Welten im Kampf
Teil 2 - Die Unterlegenen
Teil 3 - Der neue Weg
Schlusswort (S. 497f)
Geschichtliche Bemerkungen (S. 499-516)
Verzeichnis von Stammesnamen und Personen (S. 517-519)

Vergleiche unten die Trilogie sowie die 6-bändige Ausgabe Die Söhne der großen Bärin (1962/63)

rechts Leinenrücken Die Söhne der großen Bärin (1951), Auflage 1956:
131.-165. Tsd.; Gesamtherstellung dieser Ausgabe:
Artia Prag

Leinengebunder Rücken "Die Söhne der Großen Bärin", 1956

Der Steinknabe
Nach einem Märchen der Dakota-Indianer frei erzählt
Erstausgabe: Altberliner Verlag Berlin 1953, 22 Seiten, 4°, Buchschmuck von Eberhard Baumann
Die schöne Hiladih steht am Ufer und weint. Da rollen ihr die Wellen einen Kieselstein vor die Füße. Als sie ihn an ihr Herz drückt, wird der Stein lebendig. Doch ihre Liebe zu dem "Steinknaben" bringt ihr und den Tieren der Prärie nur Elend und Leid. Ein schönes altes Märchen der Indianer, dessen Weisheit auch für die Gegenwart gilt.
Umschlagtext des rechts abgebildeten Heftcovers




Der Steinknabe
Umschlaggestaltung der Ausgabe des Altberliner Verlags 1982, 3. Auflage 1987, durchgehend farbig illustriert von Dieter Müller.
Untertitel: Nach einem indianischen Märchen.
32 S. geheftet, nicht paginiert, 20x14 cm


Der Bergführer
Erzählung, Erstausgabe: Mitteldeutscher Verlag Halle 1954, 120 S., 13x18 cm, mit vier Illustrationen und einer Einbandgrafik von Ingo Kirchner. 2. Auflage 1955

Zum Inhalt

Südtirol 1950. Karl Unteregger, ein junger angesehener Bergführer in den Dolomiten, hat wieder einmal den Auftrag angenommen, einen Touristen aus der Großstadt in die alpine Bergwelt zu führen. Er weiß, dass die Touristen glauben, mit der Bezahlung der Tour eine Dienstleistung ganz nach ihren Launen erwarten zu dürfen. Die Gefahren der Witterung interessieren sie nicht, die Bedrohungen der Bergwelt begreifen sie nur als Nervenkitzel und Abenteuer, über das sie zuhause berichten wollen. Alles Risiko glauben sie mit dem Obulus auf den Führer überantwortet.

Unteregger ist auf die Einkünfte angewiesen, wenn er für seine Familie das Häuschen in der Nähe seines Heimatdorfes anzahlen will, das der Besitzer nur zu einem Wucherpreis verkauft. Trotz des stürmigen Wetters führt Unteregger den Touristen, einen Berliner, auf die Berge. Wenn er auch den schweren Mann wie einen Mehlsack über den glatten Felsen nach oben hieven muss, - die Tour von der Delagokante aus über die Vajolettürme gelingt. Der Berliner heißt Fritz Ordemann, er ist ein vermögender Postinspektor, der keinerlei Widerspruch gewohnt ist. Er sieht in der Bergtour nur eine Etappe in seinem Reiseprogramm zum Gardasee, wo er schon Hotelbetten reservieren ließ. Bis zur Hütte am Fuß des Berges hat ihn Lotte, seine Verlobte, ein zehn Jahre jüngeres Berliner Arbeitermädchen begleitet. Von ihr erwartet Ordemann vor allem Pflichtbewusstsein und Unterordnung. Lotte, von der Mutter in Erwartung einer guten Partie in das Verhältnis mit Ordemann gedrängt, bewunderte bislang sein so selbstsicheres Auftreten. Hier in der Welt der Berge aber spürt sie zum ersten Mal die moralische Dürftigkeit von Ordemann.

Grafik von Ingo Kirchner als Illustration zu "Der Bergführer" (1954), Seite 96f

Illustration von Ingo Kirchner aus Der Bergführer

Die Bergbewohner dagegen sind zwar vom Fremdenverkehr abhängig, suchen aber stets ihren Stolz gegenüber den Fremden zu bewahren. Wortkarg erfüllen sie die Wünsche der Fremden, auch wenn die Witterungsverhältnisse solche Wünsche eigentlich verbieten. Immer mehr fühlt sich Lotte instinktiv zu diesen Menschen hingezogen - und von Ordemann abgestoßen. Ihr wird bewusst, wie sehr sie ihr junges Leben an ihn verkauft hat.
In der Grasleitenhütte, wo Untereggers Frau als Köchin arbeitet und mit dem Kind wohnt, treffen am Abend nach der Tour Ordemann und Lotte wieder auf Unteregger. Von dort aus will Ordemann am nächsten Tag den Grasleitenturm - den Hausgipfel der Hütte - besteigen. Trotz der Lebensgefahr, die der rapide Temperaturwechsel und der gefallene Schnee der letzten Nacht mit sich brachten, lässt sich Unteregger von Ordemann noch einmal anheuern. Die vereisten Griffmulden zwingen sie aber an einem Felsüberhang zur Umkehr. Auf dem Abstieg kann der Führer zwar Ordemann am Seil nach unten lassen, als er sich aber selbst abseilen will, gibt wie befürchtet ein lockerer Haken nach und Unteregger stürzt zehn Meter in die Tiefe. Zwar kann er sich noch bis zur Hütte schleppen, verblutet jedoch an seinen inneren Wunden in den Armen der Frauen.
Ordemann plagen keine Schuldgefühle. "Der Leichtsinn, den losen Haken zu benutzen, war ja auch geradezu strafbar", plärrt er lauthals. "Sei still", sagt Lotte sehr leise und schaut "ihren Herrn", der auch der Herr des Karl Unteregger gewesen war, feindselig und zwingend an. "Du hast ihn ja ermordet." "Was habe ich ... du bist wohl nicht mehr ganz bei Sinnen. Geh sofort hinauf aufs Zimmer und wasch dich erst mal. Du siehst aus wie ein Schlächter! Dass du dich nicht ekelst, das Blut anzufassen!" "Ich ekle mich vor dir, Fritz Ordemann! Der Schlächter bist du ... ihr seid die Schlächter", schreit Lotte laut auf. Ordemann starrte das kleine Mädchen an. "Ihr ... was heißt Ihr ...?"
Hier kulminiert die Erzählung in die das Buch beschließende Botschaft der Autorin: Weil nicht nur unterschiedliche Verhaltensweisen, sondern ganze Welten Lotte von Ordemann trennen ("... ihr seid die Schlächter"), müssen die Verhältnisse dieser Spaltung überwunden werden. sen

Jan und Jutta
Roman, Erstausgabe: Verlag Tribüne Berlin 1954
593 Seiten
, 20,5x14 cm.  
Im Mitteldeutschen Verlag Halle erlebte das Werk (seit 1963) allein bis zum Tod der Autorin 21 Auflagen.
Umschlaggestaltung Rudolf Grapentin




Schutzumschlag einer der (zahlreichen) im Verlag Tribüne Berlin ab 1954 edierten Ausgaben von Jan und Jutta
Umschlaggestaltung von Rudolf Grapentin


Zum Inhalt
Die Autorin zeichnet die Schicksale zweier Menschen nach, die sich durch ihre Herkunft, Bildung und ihren bisherigen Lebensweg stark unterscheiden. Jan Möller wird als Sohn von aus Ostpreußen eingewanderten Eltern in der Marsch geboren. Er wächst in bittere Armut und harte Arbeit hinein; mit 10 Jahren hütet er Kühe, mit 14 wird er Knecht. Schließlich nimmt er eine Zimmererlehre auf. Als Geselle lernt er sich zu wehren, und so tritt er nach den Jahren seiner Wanderschaft erst der SPD, dann der KPD bei. 1933 wird er zu Stade in "Schutzhaft" genommen und nimmt nach der Freilassung eine äußerst intensive illegale politische Arbeit in B. auf. Im August 1934 wird er deshalb abermals verhaftet. Zuchthausjahre in Celle, Gefängnismonate in Hannover und schließlich das KZ Sachsenhausen folgen. 10 Jahre hinter Gittern und Stacheldraht.

Liselotte Welskopf-Henrich und ihr Mann Rudolf (1978)

Jutta und Jan:
Liselotte Welskopf-Henrich
und ihr Mann Rudolf Welskopf
in einer Aufnahme um 1978

Dr. Jutta Hartung dagegen wuchs behütet in bürgerlichen Verhältnissen in Berlin auf. In der Nazizeit ist sie in einer Wirtschaftsbehörde angestellt. Ihr Wissen, ihre Beobachtungsgabe, ihre Menschlichkeit und Hilfsbereitschaft bringen sie zum Handeln. Sie hilft heimlich einem jüdischen Ehepaar. Als das Paar dann für immer von den Nazis abgeholt wird, empfindet sie eine große Schuld an dem Schicksal dieser beiden alten Menschen. Eines Tages beobachtet sie, wie in einem benachbarten Haus KZ-Häftlinge unter SS-Bewachung arbeiten. Auch Jan ist unter den Häftlingen. Die SS-Leute mit Zigaretten bestechend bringt sie den Häftlingen nun alle paar Tage Essen. Nach Fertigstellung der Bauarbeiten lässt Jan, der schon lange einen Kontakt nach außen sucht, der unbekannten Helferin einen Brief zukommen.

Es gelingt Jutta, das Lager Jans und der von ihr versorgten Häftlinge in Berlin-Lichterfelde ausfindig zu machen. Es ist ein Außenlager des KZ Sachsenhausen. Einige der Häftlinge, unter ihnen Jan, müssen tagsüber in den Zehlendorfer Spinnstoffwerken arbeiten. Jutta kann mittels eines Kantinenbetreibers der Spinnstoffwerke die alten Kontakte wiederherzustellen. Obwohl Jutta eben mit ihrer Mutter und Tante ausgebombt wurde, schickt sie regelmäßig von verschiedenen Postämtern (um keinen Verdacht zu erregen) Lebensmittelpakete an einzelne Häftlinge und beginnt einen regen Briefaustausch mit Jan. Damit führen schließlich die von der Autorin verfolgten Lebenswege der beiden Hauptfiguren zusammen. Jutta ist von der festen Haltung Jans tief beeindruckt. Sie hat Philosophie studiert, Jan ist Kommunist. Beide haben viele Fragen: sie zu seinen Überzeugungen, er zu den Verhältnissen draußen. Indem Jan, der selbst nie eine politische Schulung erfahren hat, Jutta mehr Wissen über gesellschaftliche Zusammenhänge vermitteln will, muss er sich dieses selbst erst aneignen. In diesem Gedankenaustausch kommen sich die beiden Menschen mit der so unterschiedlichen Herkunft und Bildung immer näher. Schließlich verhilft Jutta ihm zur Flucht. Und er kann unter falschem Namen bei ihr untertauchen. Jutta gibt ihn als arbeitsverpflichteten Zimmermann aus, der der Ruine des Miethauses, worin Jutta einst gewohnt hatte, zu ein Behelfsdach verhelfen soll. Mit Juttas Kusine und deren Freundin im Bunde beginnen sie, illegale Flugblätter zu drucken und in Berlin zu verteilen. Noch müssen sie in vielen Situationen Todesängste ausstehen, bevor sie im Mai 1945 germeinsam den Tag der Befreiung erleben.
Der Roman schildert wirklichkeitsnah die Erlebnisse der Autorin sowie die ihres späteren Mannes Rudolf. Jutta ist Liselotte Henrich, Jan ist Rudolf Welskopf.   sen

Nachbemerkung in der 21. Auflage 1979 des Mitteldeutschen Verlags Halle von G.N. (= Gerd Noglik):
"Befragt über die Entstehungsgeschichte des vorliegenden Buches, antwortet Liselotte Welskopf-Henrich: Die vielfache Ermunterung ihrer Freunde hat sie veranlasst, dieses Stück Leben aufzuzeichnen. Und sie fährt fort: 'Anders als in allen meinen anderen Romanen und Erzählungen fühlte ich mich hier zu chronistischer Treue bei der Darstellung des Geschehens und Erlebens verpflichtet; ich wollte unseren jungen Menschen wie ein Historiker berichten, was vor sich gegangen ist und wie die Menschen gehandelt, gedacht und gesprochen haben. Schon die Vorarbeiten waren daher besonderer Art. Sie bestanden zum großen Teil in der Fühlungnahme mit Männern, die sich selten und nur in herber, ja schroffer Art aussprachen. Sicher hat dieser Stil meine vorliegende Arbeit beeinflusst. Das künstlerische Problem für mich lag darin, die unmittelbare konkrete, in keinem Zug veränderte oder erweiterte Realität in die Form zu bringen, die der Roman seiner Natur nach setzt. (...) Das vorliegende Buch unterscheidet sich dadurch von allen meinen anderen literarischen Arbeiten, den vorhergehenden wie den nachfolgenden. (...)'

Wo historisch konkrete Situationen dargestellt werden und - wie hier - sogar im wörtlichen Sinne mit Straße und Hausnummer lokal fixiert werden, begibt sich der Autor in den Prüfstand jener Personen, die die geschilderten Vorgänge miterlebt haben. Ohne dass Liselotte Welskopf-Henrich davon wusste, fand sich Jahre nach dem Erscheinen ihres Buches ein Chronist, der Gestalten und Geschehen des Romans für die Öffentlichkeit belegte: Hans Grundig.

Jan und Jutta
Schutzumschlag der 22. Auflage 1989, gestaltet von Peter Hartmann
Mitteldeutscher Verlag Halle
mit Illustrationen von Hans-Joachim Triebsch
22. Auflage 1989

Dieser tapfere Mensch und empfindsame Maler war ein KZ-Genosse des 'Jan'. In seinem Erinnerungsbuch 'Zwischen Karneval und Aschermittwoch' (...) schreibt Hans Grundig:
'Mit dem Zimmermann stand ich auf dem Dach des neuerbauten Kasinos. Er war Genosse und einer jener klarsichtigen, zuverlässigen Menschen, um die man uns beneidete. Mittelgroß, kräftig, mit einem Gesicht, das mich in seiner Besonnenheit und Ruhe immer an einen Indianerhäuptling erinnerte. Mit seinen schmalen, dunklen Augen, mit den gerade darüber gespannten, fast zusammenstoßenden Augenbrauen glich er einem Inka, dessen Wort viel im Stamme gilt. Es galt auch viel bei uns, obwohl er sparsam mit Worten umging. Zehn Jahre Haft hatten diesen Revolutionär nicht brechen können. In dem Lager Lichterfelde war er einer der führenden Genossen. ... Sogar nach außen knüpften wir unsere Verbindungen. Oft des Abends saßen er, der dem Inka glich, Toni und ich zusammen, um kleine Schriften zu verfassen. Wir schrieben einer Frau, die wir hoch verehrten, die wir liebten, ohne sie persönlich zu kennen. Sie verhalf uns zu wichtigen Medikamenten und Lebensmitteln. Mit Feuereifer holten wir alle Wissensschätze heran, um ihr die Schönheit, die Menschlichkeit des Sozialismus in vollem Glanze zu zeigen. Ihr, der Frau, die ihr Leben für uns wagte; denn um sie wäre es geschehen gewesen, hätte der SS-Sicherheitsdienst nur den leisesten Verdacht gehabt. Doch in der sich täglich ändernden Situation unterließen wir es nicht, der unbekannten Frau zu schreiben. ... Überraschenderweise erklärte der Zimmermann Toni und mir, dass er fliehen wolle. Alles sei abgesprochen. Die Genossen billigten die Flucht, und er verschwand spurlos im großen Berlin. ...' (...) Die Tatsache (...), dass sie in der Wirklichkeit, von der sie hier erzählt, gemeinsam mit dem Arbeiter "Jan", von seiner Überzeugungskraft gepackt, Schritt um Schritt bis zum vollem Wagnis ihr Leben eingesetzt hat, beweist ihre menschliche Größe."

Drei Wassertropfen -
Eine wunderbare Weltreise
Erzählt nach Liselotte Welskopf-Henrich /
Mit Bildern von Charlotte Braasch
Erstausgabe: Altberliner Verlag Lucie Groszer 
Berlin 1954
36 Seiten, farbiger Pappeinband 24x17 cm.
Für Kinder ab 8 Jahre.

  2. Farbtafel  
Eine der ganzseitigen 9 Farbtafeln
aus Drei Wassertropfen gemalt 
von Charlotte Braasch


Hans und Anna
Einband gestaltet von Karl Fischer
Hans und Anna -
Die drei Geschichten von Allezusammen
Erstausgabe: Kinderbuchverlag Berlin 1954, 91 Seiten, farbiger Pappeinband, 21x15 cm, Einband und 8 s-w-Zeichnungen im Text von Karl Fischer. 

Das für Kinder von 9 Jahren an bestimmte
Buch enthält außer Hans und Anna die Geschichten August Haase und die beiden Swinegel und Die Bösen werden besiegt



Zwei Freunde
Roman, 3 Bände, Erstausgabe: Verlag Tribüne Berlin 1956
Band 1 - Zwei Freunde 604 S.
Band 2 - Die Wege trennen sich 388 S.
Band 3 - Das Wiedersehen 514 S.


Zweitauflage der Trilogie: 1957. 
Aus der Verlagswerbung zur 3-bändigen Ausgabe (nachlesbar in Jan und Jutta, 3.Aufl. 1957, S. 596):
"Dieser großangelegte Roman in drei Teilen, der früher unter dem Titel Das Büro angekündigt wurde, spiegelt ein Stück deutsche Kulturgeschichte von 1928 bis 1945 wider. Seine Hauptgestalten sind zwei Freunde aus Akademiker- und Offizierskreisen, begabt, charakterlich gut veranlagt; die spannende und konfliktreiche Handlung, die psychologischen Probleme ergeben sich aus der 'Charaktermaske', die den beiden Menschen durch ihre Erziehung und Klassenzugehörigkeit aufgedrückt wird. Die Autorin erfasst mit scharfer Kritik, mit menschlichem Gefühl und Humor die Welt des Bürokratismus und der Intrigen, alle die Menschen, die in sie hineingepresst wurden. Der Roman ist das Hohelied einer Freundschaft."
Erstmals 1963 erschien die überarbeitete und in 2 Bände zusammengefasste Ausgabe im Mitteldeutschen Verlag Halle/ Saale:

Zwei Freunde

Roman, bearbeitete Ausgabe in 2 Bänden, Mitteldeutscher Verlag Halle 1963. Die Bände tragen zuweilen folgende Untertitel:
Band 1 - Ein Anfang und das Ende 582 S. (3. Auflage 1967)
Band 2 - Das Ende und ein Anfang
712 S. (3. Auflage 1967)

Zum Inhalt

Ein junger Mann kommt in die große Stadt. Er glaubt, erfahren zu sein, und ist doch unerfahren. Büro und Theater, möbliertes Zimmer, Weinstube und Ballsaal, Klub und Reitstall, das elegante Haus und das Haus der Verarmten werden Schauplatz seines Erlebens. Er wird eingefangen von dem Reiz einer Frau und seiner Leidenschaft, angezogen von dem kulturellen Leben der Stadt, von jugendlichem Ehrgeiz erfüllt. Männer, Frauen und Mädchen, Beamte und Intellektuelle, ehemalige Offiziere, Vorgesetzte, Kollegen, Intriganten und Spießer umgeben den jungen Assessor und ziehen ihn in das Gespinst der Gesellschaft in der Weimarer Republik. Aber sein Gefühl und sein natürlicher Mut lehnen sich allmählich auf gegen das Geschehen, dessen Zeuge er werden muss.
Die Freundschaft mit seinem Vorgesetzten Grevenhagen bedeutet für ihn einen großen menschlichen Wert, bleibt aber nicht ohne Widersprüche und Gefahren. Wichmann und Grevenhagen, Sachkenner und pflichtbewusste Beamte in internationalen Verhandlungen werden von Karriererücksichten geblendet und sind von der Illusion persönlicher Unabhängigkeit eingefangen. Die Hintergründe der Ereignisse, das Spiel der Machtgruppen von Großgrundbesitzern und Industriellen, die kalte Berechnung ihrer Exponenten beginnt Wichmann zwar zu spüren, kann aber nicht den Platz finden, von dem aus er ihnen wirklichen Widerstand leisten könnte. Als in Deutschland die geschichtlichen Ereignisse die persönliche Entscheidung jedes einzelnen verlangen, trennen sich die Wege der beiden Freunde. Zum ersten Mal lernt Wichmann Brutalität, Hilflosigkeit, Widerstandswillen in ihrer Unmittelbarkeit kennen. Im Zwiespalt leben die Freunde nebeneinander weiter, jeder in seiner Welt, beide aber in der Hoffnung, eines Tages wieder miteinander leben zu können. Das aber wird erst möglich, als nach dramatischen Konflikten der Kriegszeit in Feld und Heimat der Zusammenbruch des Faschismus dem deutschen Volk und damit auch den beiden Freunden einen neuen Anfang ermöglicht.
Aus dem Klappentext der Edition des Mitteldeutschen Verlags Halle 1976

Aus der Nachbemerkung von Gerd Noglik zum Roman Zwei Freunde
in L. Welskopf-Henrich, Gesammelte Werke in Einzelausgaben
herausgegeben von Gerd Noglik, Mitteldeutscher Verlag Halle 1976, Bd. 2: 746ff

Habent sua fata libelli: Auch dieses Buch hat seine Geschichte. Eine ungewöhnliche, eine einmalige.
Liselotte Welskopf-Henrich, während der Zeit des zweiten Weltkrieges in einer dem faschistischen Wirtschaftsministerium nachgeordneten Dienststelle angestellt und in einem antifaschistischen Kreis illegal tätig, begann 1940, den vorliegenden Roman zu schreiben. Gewissermaßen in der Nachbarschaft der Gestapo, wie in "Jan und Jutta" nachzulesen, entstand auf 1253 kleinen Zetteln "in jahrelanger nächtlicher Arbeit, mit der winzigen, für einen Fremden kaum lesbaren Schrift" ein Buch, zunächst mit Bleistift geschrieben, dann, als die Zeit des Faschismus zum Gegenstand der Fabel wurde, nur noch stenographiert. In Briefumschlägen verpackt, lag schließlich im April 1943 der Roman mit dem damaligen Titel "Das Büro" vor.

Ungewöhnlich also die Genesis des Romans, ungewöhnlich auch, dass dieses Buch im faschistischen Deutschland geschrieben wurde.
Einmalig aber, dass bereits im April 1943 beim Abschluss der Arbeit - zeitlich zwar nicht genau fixiert - vorausschauend ein Ausblick auf Niederlage und Zusammenbruch des deutschen Faschismus literarisch dargestellt war.
Das Anliegen der Autorin, mit den entscheidenden Lebensjahren des jungen Assessors Wichmann und dessen Freundschaft zu Grevenhagen in einem kunstvollen Geflecht, das erlebte Wirklichkeit herauskristallisiert, eine Fabel aufzufächern, die historisch präzise ein Stück deutscher Geschichte aus der Zeit der Weimarer Republik und der Diktatur des Faschismus umfasst, das Bestreben, Hintergründe aufzuzeigen, das Spiel der Machtgruppen von Großgrundbesitzern und Industriellen zu demaskieren und damit den Hauptgestalten eine geschichtliche Entscheidung abzufordern, brachte als Ergebnis den großen Gesellschaftsroman, der hier vorliegt.
Umschlag Schauß, Gruppe 4

Viel diskutiert: 
Der Roman Zwei Freunde. Schutzumschlag der Ausgabe aus dem Mitteldeutschen Verlag Halle 1976, entworfen von Hans-Joachim Schauß/ Gruppe 4 und Heinz Handschick (Vignette)

(...) Last und Lust des Schreibens, Selbstverständigung und Erkenntnis führten nach der Niederschrift zu einem neuen Anfang: "Es war nicht der Abschluss einer großen Arbeit, der sie in diesem Augenblick bewegte. Sie fühlte den Abschluss einer Lebensperiode, dem sie mit ihren Worten Ausdruck gegeben hatte, und sie wunderte sich selbst, wie alt sie sich trotz ihrer jungen Jahre fühlte. (...) Jutta nahm innerlich Abschied von der Welt, in der sie bis jetzt gelebt hatte, und wenn diese Welt sie auch noch umgab, so war sie doch unwillkürlich geworden" ("Jan und Jutta").
Die neue Lebensphase führte zu direkter politischer Arbeit. Die Verbindung zu KZ-Häftlingen, ihre immer weitere Kreise ziehende illegale Tätigkeit verlangten ihre ganze Kraft. An literarische Arbeit war nicht zu denken. Aber die Gefahr, dass die immer noch in zahlreiche Briefumschläge verpackten Zettel mit dem Romanmanuskript bei einer Haussuchung entdeckt werden könnten, wuchs in dem Maße, in dem sie ihre illegalen Unternehmungen ausdehnte.
Daher beschloss sie im Sommer 1943, als die Arbeitsgruppe der KZ-Häftlinge verlegt wurde und zur Neuaufnahme der Verbindungen ein zeitlicher Spielraum blieb, den Aufenthalt in einer oberbayrischen Sommerfrische zu benutzen, um das für sie gefährliche Manuskript in Sicherheit zu bringen.
Aber auch auf dieser Fahrt bekam die Geschichte des Buches einen dramatischen Akzent: Während eines kurzen Zwischenaufenthaltes bei einem befreundeten Arztehepaar im Bayrischen Wald wurde aus ganz anderen Gründen im Haus der Gastgeber von der Gestapo eine Razzia gemacht; nur das geistesgegenwärtige Auftreten Liselotte Welskopf-Henrichs rettete das Manuskript vor dem Zugriff der Faschisten.
Nachdem der Roman in Sicherheit gebracht worden und die Schriftstellerin nach Berlin zurückgekehrt war, setzte sie die politische Arbeit, den Widerstandskampf gegen den Faschismus, fort. Und nach der Zerschlagung des Hitlerregimes stellte sich Liselotte Welskopf-Henrich mit ihren Erfahrungen und ihrem Wissen für den Aufbau von Verwaltung und Wirtschaft in Berlin zur Verfügung.
Als nach dem Chaos des Untergangs die Postverbindung von Oberbayern nach Berlin wieder möglich wurde, kam das Romanmanuskript wieder in die Hände der Autorin. Doch auch dann noch einmal ein Eingriff in die Geschichte des Buches: Ein Verleger, aus richtigem Gefühl für die richtige Thematik einer neuen antifaschistischen Literatur, aber sicher auch aus Unkenntnis des Inhalts des Romans "Zwei Freunde" lehnte die Publikation des Manuskripts mit der Bemerkung ab, man könne zu dieser Zeit keinen "Beamtenroman" drucken.
Die kulturpolitisch gut gemeinte Ablehnung verhalf dem Buch zu höherer Qualität: Liselotte Welskopf-Henrich schrieb zunächst den Roman "Jan und Jutta", der ihren Namen bald in die Liste unserer besten Schriftsteller beförderte, und beschäftigte sich erst danach, nun mit der vollen Erfahrung auch der letzten beiden Kriegsjahre, noch einmal mit dem Manuskript des Romans "Zwei Freunde".
(...) Künstlerisches Talent, wissenschaftliche Kenntnis und ein tapferes Leben haben die beiden Romane "Jan und Jutta" und "Zwei Freunde" nicht nur zu Gesellschaftsromanen von historischer Dimension, sondern auch zu einem Zeugnis für einen großen Menschen geführt.

Frau Lustigkeit und ihre fünf Schelme
Erstausgabe: Altberliner Verlag Lucie Groszer 
Berlin 1958, 88 Seiten, farbiger Pappeinband 24x17 cm.
Mit zahlreichen vollfarbigen Bildern von Karl Fischer. Für Kinder ab 8 Jahre. 
Frau Lustigkeit und ihre 5 Schelme










Frau Lustigkeit und ihre fünf Schelme
Umschlaggestaltung
und Abbildungen im Text 
von Karl Fischer 

Die Söhne der Großen Bärin
Roman. Trilogie. Altberliner Verlag Lucie Groszer Berlin 1962 - ?
Band 1
- Harka, der Sohn des Häuptlings 1962
Band 2 - Top und Harry
Band 3 - Die Söhne der Großen Bärin
Harka Titeleinband einer Harka-Ausgabe aus dem Kinderbuch-Verlag Berlin (DDR) 1967
Zum Inhalt:
Band 1 -
Um die Mitte des 19. Jhs. führte die Bärenbande der Dakotas noch ein freies Leben in der Prärie. Harka ist einer der mutigsten und geschicktesten jungen Jäger. Das beweist er während der Büffeljagd und beim Kampf mit einem Grizzly. Als sein Vater, der Häuptling Mattotaupa, das Geheimnis seines Stammes den Weißen verrät und deshalb von der Bärenbande ausgestoßen wird, begleitet ihn Harka. Die Handlung ist reich an Abenteuern. Band 2 - Von den Weißen werden die beiden verstoßenen Helden Top und Harry genannt. Als Verbannte führen sie ein gefahrvolles und unstetes Leben in der Wildnis, weilen eine Zeitlang bei den Siksika, verdingen sich als Kundschafter beim Bau der Pazifikbahn und leben unter Abenteurern und Goldsuchern. Harka muss schwere Prüfungen bestehen, ehe er wieder von den Dakotas aufgenommen wird. Band 3 - Als 1877 die Dakotas von den Weißen gezwungen werden, in Reservationen zu vegetieren, empört sich der Stamm der "Großen Bärin" dagegen. Unter Führung ihres klugen und mutigen Häuptlings Tokei-ihto ziehen die "Söhne der Großen Bärin" in äußerst mühseliger und gefahrvoller Wanderung nach Kanada, wo sie frei arbeiten und leben können. Die drei Bände vermitteln ein historisch getreues Bild von dem Ringen der Dakotas in jener Zeit.
Das Werk entstand in den Jahren zwischen 1951 und 1963.


Die Söhne der Großen Bärin
Roman. 6-bändige Ausgabe. Altberliner Verlag Lucie Groszer Berlin 1962 und 1963.
Band 1
- Harka 1962
Band 2 - Der Weg in die Verbannung 1962
Band 3 - Die Höhle in den Schwarzen Bergen 1963
Band 4 - Heimkehr zu den Dakota 1963 (oder bereits 1953?)
Band 5 - Der junge Häuptling 1953 (!)
Band 6 - Über den Missouri 1953 (!)

Vergleiche auch oben die einbändige Ausgabe Die Söhne der Großen Bärin (1951). Die Bände 1 und 2 sind mit dem Titel "Harka" der 3-bändigen Ausgabe identisch, die Bände 3 und 4 mit dem Titel "Top und Harry" und die Bände 5 und 6 mit dem Titel "Der Häuptling".
Rechts: 
Schutzumschlag der 6-bändigen Ausgabe (hier des 6. Bandes Über den Missouri) aus dem Altberliner Verlag Lucie Groszer Berlin (DDR), 3. Auflage 1979, gestaltet von E.P. Berger und Ralf-Jürgen Lehmann


Heimkehr zu den Dakota (1993)






Über den Missouri (1979)

Links: Umschlaggestaltung von Andreas Brexendorff zur 1993 vom Altberliner Verlag GmbH Berlin hgg. Ausgabe, hier Band 4: Heimkehr zu den Dakota.




Das Blut des Adlers
Roman-Pentalogie. Erstausgaben: Mitteldeutscher Verlag Halle/ Saale und Leipzig 1966-1980. Die einzelnen Bände erlebten zahlreiche Nachauflagen.

Licht über weißen Felsen (1967) Band 1 - Nacht über der Prärie 1966
Band 2 - Licht über weißen Felsen 1967
Band 3 - Stein mit Hörnern 1968
Band 4 - Der siebenstufige Berg 1972
Band 5 - Das helle Gesicht 1980


links Schutzumschlag des 2. Bandes, Licht über weißen Felsen
für den Buchklub 65 (1967), entworfen von H. und J. Proft

Vier Wochen nach Abschluß des letzten Bandes, Das helle Gesicht, verstarb Liselotte Welskopf-Henrich. Im Mitteldeutschen Verlag Halle erfuhren ihre Bücher bis zu ihrem Tod eine Gesamtauflage von 1,2 Millionen Exemplaren.

Liselotte Welskopf-Henrich, Gesammelte Werke in Einzelausgaben
herausgegeben von Gerd Noglik, Mitteldeutscher Verlag Halle und Leipzig 1975-1980. Die einzelnen Bände erlebten zahlreiche Nachauflagen.
Jan und Jutta 1975
Zwei Freunde 2 Bände, 1976
Die Söhne der Großen Bärin 3 Bände, 1979/80
Erzählungen
Nacht über der Prärie

Licht über weißen Felsen 1978
Stein mit Hörnern 1978
Der siebenstufige Berg
Das helle Gesicht 1980
Schutzumschlag der 3-bändigen Ausgabe "Die Söhne der Großen Bärin" (hier des 2. Bandes Top und Harry) im Rahmen der "Gesammelten Werke in Einzelausgaben". Der hier abgebildete Schutzumschlag gehört zur 1982 erschienenen Auflage und wurde samt der enthaltenen
s-w-Illustrationen von Peter Nagengast gestaltet.
Top und Harry (1982)



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L. Welskopf-Henrich hat sich auch als Wissenschaftlerin der Alten Geschichte einen Namen gemacht. Unter dem Namen Elisabeth Charlotte Welskopf veröffentlichte sie Werke zur griechischen Antike

Biografisches zu Liselotte Welskopf-Henrich

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